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Michael Schmidt

Schmidts F1-Blog: Gebt den Neulingen eine Chance

Geschrieben am Sonntag, 14. März 2010 von Michael Schmidt (1 Antwort)

Die neuen Teams fahren in einer eigenen Liga. Karun Chandhok, dem Langsamsten, fehlten 10,3 Sekunden auf Fernando Alonso, den Schnellsten. Timo Glock war als Sieger des Debütantenclubs 2,7 Sekunden langsamer als der schlechteste Fahrer in einem Auto der arrivierten Teams. Ist das noch Formel 1-würdig?

Ferrari würde sagen: nein. Ich sage: Das war zu erwarten. Es ist der Beweis dafür, dass im System Formel 1 seit Jahren etwas schief läuft. Und dass es höchste Zeit war, das den Top-Teams mal plastisch vor Augen zu führen. Ferrari, Mercedes GP, McLaren und Red Bull haben immer noch soviel Geld in der Kasse, dass sie die Messlatte auf eine für Neulinge unerreichbare Höhe legen.

Einstiegshürde zu hoch

Das kann es nicht sein. Es wird immer Teams geben, die die Formel 1 verlassen müssen. Weil ihnen das Geld ausgeht, oder weil sie keinen Erfolg haben oder beides. Hersteller sind davon mehr betroffen als Privatteams, für die der Sport ein Lebensunterhalt ist. Dann muss Ersatz her. Doch die Anlaufschwierigkeiten von Virgin, Lotus und HRT F1 zeigen, dass sich der Sport schon viel zu weit von allen anderen Motorsportformeln entfernt hat.

Es ist schlicht und ergreifend nicht möglich, auf dem Standard der Mittelklasseteams einzusteigen. Von den Rennställen an der Spitze ganz zu schweigen. Sie haben unendlich viel mehr Geld, mehr Knowhow, mehr Leute, mehr Infrastruktur. Und das Gerade vom Kostensparen ist weiterhin eine Augenwischerei. Die Sparmaßnahmen greifen frühestens 2011, und selbst dann niemals in dem Maß, das Max Mosley mit seiner Budgetobergrenze beabsichtigte.

Große Teams ohne Verständnis

Die großen Teams können bei diesem Thema gar nicht mitreden. “Wer so viel Geld in der Kasse hat”, sagt selbst Toro Rosso-Teamchef Franz Tost, “hat keinen Blick für die Nöte der Kleinen.” Dafür hat er Probleme, die Teamstärke an der Rennstrecke auf 45 Mitarbeiter zurückzuschrauben. Weil man Jahre lang im Überfluss gelebt hat und der Meinung ist, man müsse jeden Posten aus Sicherheitsgründen drei Mal besetzen. Hätte Bernie Ecclestone jedem Team alle Anfragen nach Fahrerlagerpässen genehmigt, hätte der größte Teilnehmer in Bahrain 75 Personen mehr an der Rennstrecke gehabt als der kleinste.

Wie wollen Ferrari oder McLaren oder Mercedes nachvollziehen, wie schwierig es für einen Neueinsteiger ist, innerhalb eines halben Jahres aus dem Nichts ein funktionierendes Formel 1-Team aufzubauen? Mit Windkanal, Simulatoren, CFD-Computern, Karbon-Autoklaven, Prüfständen und Metallscannern? Genauso wenig kann Bill Gates einen konstruktiven Beitrag dazu abgeben, wie ein Hartz-IV-Empfänger mit 350 Euro im Monat über die Runden kommen soll.

FIA will 107%-Regel für das Qualifying

Für Virgin, Lotus und HRT F1 war es schon eine besondere Leistung, in Bahrain überhaupt am Start zu stehen. Das gehört honoriert und nicht verhöhnt. Die FIA will die 107-Prozent-Regel für die Qualifikation wieder einführen, kann das wegen der Einstimmigkeit unter den Teams aber nicht vor 2011 bewerkstelligen. Außer sie bringt das Sicherheitsargument auf den Tisch, mit dem jede Entscheidung ad hoc durchzudrücken ist. Stattdessen sagt FIA-Präsident Jean Todt, dass man den neuen Teams Zeit geben soll. Zeit bis 2011. Eine Entscheidung mit Augenmaß. Bis dahin haben es die drei Neuzugänge entweder geschafft auf Speed zu kommen, oder es gibt sie nicht mehr.

Ferraris Idee mit drei Autos führt zu nichts. Auch dann nicht, wenn man das dritte Auto an ein externes Team ausleiht. Stellen Sie sich vor, die neun arrivierten Rennställe würden je ein drittes Auto in einem Kundenteam einsetzen. Dann ist ein Team und sein Kunde Letzter und ein anderes und dessen Kunde Vorletzter. Spätestens nach zwei Jahren rechnet sich das Modell weder für das A- noch für das B-Team. Also scheiden beide mangels Sponsoren aus. Dann bleiben am Ende nur noch sieben übrig, die jeweils vier Autos einsetzen müssen. Und das Spiel geht von vorne los. Endresultat ist eine verkappte DTM mit zwei Herstellern und 20 Autos. Wollen wir das? Lieber nicht.

Tobias Grüner

Formel 1-Blog: Bahrain… here we come!

Geschrieben am Mittwoch, 10. März 2010 von Tobias Grüner (0 Antworten)

Jetzt gehts los. Endlich. Die Winterpause war einfach viel zu lang. Die Testfahrten? Keine echte Ersatzdroge. In Bahrain geht es um Siege und WM-Punkte, und das ist bekanntlich das einzige, was zählt.

Das Formel 1-Fahrerlager ist wie eine große Familie. Schon auf dem Anflug nach Bahrain läuft man vielen alten Bekannten über den Weg. Wer denkt, dass man um zwei Uhr nachts beim Umsteigen in Dubai keine Menschenseele trifft, der irrt. Aus allen Ecken der Welt strömen Journalisten, Teammitglieder und natürlich Fahrer Richtung Grand Prix.

Spätestens in der extra eingerichteten Immigration-Schlange für Formel 1-Angehörige in Bahrain kommt es um kurz vor drei Uhr dann zum großen Wiedersehen. Wie war der Winter? Wo kommst Du gerade her? Was wird das wohl für eine Saison? Wie funktioniert eigentlich der McLaren-Wunder-Flügel?

Auch Bahrain hat sich wieder herausgeputzt. Am Flughafen und den großen Zufahrtstraßen sind überall farbenfrohe Banner angebracht. Auf großen Werbetafeln und Schildern zählen die stolzen Araber die Tage bis zum Saisonstart herunter. Two days to go!

Die erste Nacht war allerdings kurz. Um vier Uhr endlich im Bett. Kaum eingeschlafen ruft um fünf Uhr der Muezzin der benachbarten Moschee zum Gebet. Ich verzichte auf die Einladung und versuche mit zwei Kissen auf dem Kopf wieder einzuschlafen. Zum Glück höre ich gerade noch so den Wecker, der nur vier Stunden später zum Aufbruch ruft.

Um 11 Uhr Ortszeit macht die Akkreditierungsstelle auf. Wir sind schon um halb elf da. Zum Glück: Als endlich die ersten Pässe ausgegeben werden, hat sich bereits eine lange Schlange gebildet. Auch die Journalisten und Fotografen können es kaum erwarten, wieder ins Fahrerlager zu kommen. Kurze Anmeldung, Internet einrichten… wir sind bereit. Jetzt kann es losgehen!

Bianca Leppert

Alles im Lack?

Geschrieben am Mittwoch, 03. März 2010 von Bianca Leppert (4 Antworten)

Mein Name ist Leppert, Bianca Leppert und ich trage Nagellack in Wagenfarbe. Ob dieser Spruch wohl bei einem Date ankommen würde? Wohl kaum. Die Männerwelt würde viel eher fragen: Hat die noch alle Tassen im Schrank?

Aber wie wir bekanntlich alle wissen, ticken Frauen und Männer nun mal anders. Wir Frauen (zumindest einige) stehen darauf, wenn alles farblich aufeinander abgestimmt ist. Das ist doch super zu kombinieren, oder? Diese Frage der Angebeteten wenn sie vor dem Spiegel steht, dürfte einigen Herren der Schöpfung geradezu ins Hirn gebrannt sein.

Da kommt der Nagellack von Volvo passend zum neuen S60 gerade recht. Die Schweden wollen damit nach eigenen Aussagen die weibliche Zielgruppe noch mehr ansprechen (Wer hätte das gedacht?). Der Clou: Die Frau von Welt hat nicht die Qual der Wahl und muss sich für eine Farbe entscheiden, sondern bekommt im Set gleich die Wagenfarben Ember Black, Vibrant Copper und Cosmic White. Mein Favorit ist das knallige orangene Vibrant Copper. Aber alle Damen werden sich glücklich schätzen, auch ein schlichtes weiß oder schwarz im Set zu haben, schließlich lässt sich das oft besser kombinieren. Wer noch nicht der absolute Nageldesign-Experte ist, bekommt sogar Unterstützung von Volvo. In Genf steht am Volvo-Stand ein Nagelkünstler zur Verfügung, der interessierte Frauen betreut.

In Zeiten, in denen es eigens Automagazine und Autohäuser nur für Frauen gibt, eine gute Idee einen Nagellack passend zum Auto anzubieten, wie ich finde. Aber passen Sie auf, wenn sich ihre Frau plötzlich die Haare in Wagenfarbe tönt (man denke da nur an ein furchtbares metallic-grün) oder die ganze Garderobe auf die Lackierung abstimmt, dann hat sie ihr Auto lieber als Sie.

Hier geht es zu unserem Special zum Autosalon Genf 2010.

Michael Schmidt

Schmidts F1-Blog: Keine Gnade für USF1

Geschrieben am Dienstag, 02. März 2010 von Michael Schmidt (8 Antworten)

USF1 wird kein Auto beim Saisonstart in Bahrain haben. Die Amerikaner werden auch in Melbourne, Sepang und Shanghai fehlen. Sie haben sich jetzt eine neue Taktik ausgedacht. Teamchef Ken Anderson schlägt der FIA einen Aufschub um ein halbes oder gar ein ganzes Jahr vor. Solange soll die Bewerberlizenz ruhen. Die Antwort aus Paris darauf kann nur “nein” heißen. Egal, ob es Ersatz gibt oder nicht. Lieber den 13. Platz leer lassen, als USF1 eine weitere Brücke zu bauen. Sonst macht sich dieser Zirkus völlig lächerlich.

USF1 hat einen Platz in der Formel 1 nicht verdient. Seit einem halben Jahr haben Ken Anderson und Peter Windsor die FIA, die Formel 1-Szene und die Fans mit leeren Versprechungen auf den Arm genommen. Wer wie auto motor und sport das Team von Anfang an in Frage stellte, bekam als Antwort, keine Ahnung zu haben. Als wir die rechtzeitige Fertigstellung der Autos anzweifelten, weil im Oktober intern noch nicht einmal Vorkehrungen für die diversen Crashtests getroffen waren, wurden wir von Peter Windsor belehrt, dass alles im Zeitplan ist. Wo bitte, Herr Windsor, sind die Autos jetzt?

Die Träume des Ken Anderson

Spione anderer Teams hatten im November gemeldet, dass bei USF1 gerade mal 20 Angestellte in der Fabrik aus- und eingingen. Die meisten hatten befristete Arbeitsverträge. Zu der Zeit stand auf der Kippe, ob Sauber an den Start gehen kann. Sauber hatte das Budget, ein Auto und die Mannschaft, diese Saison zu bestreiten. Mehr als das: Sie waren zuletzt bei den Testfahrten auf Augenhöhe mit den Top-Teams. Sauber hatte aber keinen Startplatz. Der wurde von USF1 blockiert, obwohl in Charlotte jeder längst wusste, dass man nie und nimmer mit zwei Autos nach Bahrain reisen würde.

Als die FIA-Inspektoren Tony Purnell und Nick Craw im vergangenen Herbst die Fabrik inspizierten, da wurde sie über den wahren Stand getäuscht. Oder sie haben sich täuschen lassen. Ex-Formel 1-Pilot Stefan Johansson, ein Kenner der US-Rennszene, hatte mir schon im August letzten Jahres erzählt: “Vergiss den Anderson. Der ist ein Traumtänzer. Redet viel, nichts dahinter. Nur leider merken das viele Leute zu spät.” Man hätte auf den Schweden hören sollen. Auch Youtube-Gründer Chad Hurley. Da muss man sich manchmal fragen, wie naiv der Mensch sein muss, wenn er nach US-Berichten immer noch an das Projekt glaubt. Er sollte lieber schauen, dass nicht noch mehr von seinem Geld sinnlos verbrannt wird.

Ende mit Schrecken

Die FIA sollte sich nicht lange mit der Frage befassen, ob man mit dem Rausschmiss von USF1 das Gesicht verliert oder nicht. Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Da muss ich Ferrari Recht geben: Dieses Teams hat nichts in der Formel 1 verloren. USF1 jetzt einen Aufschub zu gewähren wäre eine Ohrfeige für Virgin Racing und Lotus, die sich ehrlich bemüht haben, ein Auto auf die Räder zu stellen.

Selbst für Campos kann man noch Sympathien haben. Die Spanier haben alles für ihren Formel 1-Traum getan. Ihnen ist einfach im entscheidenden Augenblick das Geld ausgegangen. Und die Retter haben versprochen, in Bahrain dabei zu sein. USF1 dagegen verkauft weiter nur Versprechungen. Wenn die FIA sich darauf einlässt, geht das böse Spiel in die Verlängerung. Ich wette, dass USF1 auch 2011 nicht am Start steht.

Michael Schmidt

Schmidts F1-Blog: Rote Karte für Ferrari

Geschrieben am Dienstag, 23. Februar 2010 von Michael Schmidt (18 Antworten)

Er schreibt unter dem Pseudonym “Pferdeflüsterer”, und er schreibt auf der Ferrari-Website. Der letzte Beitrag des anonymen Ferrari-Kolumnisten beklagt den Verlust der Automobilwerke in der Formel 1, die durch wenig seriöse Privatteams ersetzt wurden. Das Ganze sei das Resultat des “Heiligen Krieges”, den Ex-FIA-Präsident Max Mosley letztes Jahr angezettelt hat. Ohne ihn, so der Umkehrschluss, wären BMW, Toyota und Renault noch dabei, und wir müssten uns nicht mit einem wiederbelebten Lotus-Team oder Exoten wie Virgin, Campos, USF1 oder Stefan GP herumärgern.

Ich habe selten einen solchen Unsinn gelesen. Dass Ferrari dieser an den Haaren herbeigezogenen Verschwörungstheorie auch noch die Plattform gibt, spricht nicht gerade für den Durchblick in Maranello. Der Rückzug von Honda, BMW und Toyota und die Teilprivatisierung des Renault-Rennstalls haben nichts, aber auch gar nichts mit dem Krieg zu tun, den Mosley letztes Jahr gegen die Teams angezettelt hat. Honda sowieso nicht, denn die sind bereits vor Ausbruch des Krieges - wir wollen mal bei dieser Terminologie bleiben - abgetreten.

Ausstieg wegen Misserfolgs

BMW, Toyota, Renault und Mercedes hatten sich bereits vor Saisonbeginn 2009 auf Vorstandsebene geeinigt, bei einer Ausweitung der Autokrise das Formel 1-Engagement zu beenden. Sogar die Begründung hatten die Konzernchefs untereinander abgestimmt. Honda, BMW und Toyota haben sie dann ja auch brav ins Feld geführt. Von einer neuen Firmenstrategie war die Rede, von umweltverträglichen Technologien. Was natürlich auch Humbug war. Honda, BMW und Toyota haben Schluss gemacht, weil die Erfolge ausblieben, weil der finanzielle Aufwand in keinem Verhältnis zum sportlichen Ertrag stand.

Insgeheim ahnten alle drei, dass es bei den zu erwartenden Sparmaßnahmen noch schwieriger werden würde, Rennen zu gewinnen. Wer schon mit einer vollen Kasse nur im Mittelfeld herumgurkt, wird es mit weniger Geld nicht besser machen.

Mercedes und Renault unter Spardruck

Auch Mercedes und Renault wären von der Bildfläche verschwunden, hätte sich in beiden Fällen nicht eine Überlebenslösung angeboten. Bei Mercedes ging es nur weiter, weil Norbert Haug im Verbund mit Brawn GP die Kosten auf ein Drittel reduzieren kann. Und weil mit Brawn GP der Weltmeister neuer Partner wird. Renault gibt weiterhin seinen Namen, weil das finanzielle Risiko zu 75 Prozent bei der Luxemburger Investmentfirma Genii Capital liegt.

Die eine wie die andere Geschichte konterkariert die Darstellung von Ferrari, wonach Mosley alle Hersteller vertrieben habe. Mercedes-Chef Dieter Zetsche hat zudem angedroht, dass das Formel 1-Engagement seines Hauses trotz der Partnerschaft mit Brawn GP, trotz Michael Schumacher kein Freifahrtsschein für die Ewigkeit sei. Zetsche machte den Fortbestand des Projekts vom Erfolg abhängig. Mit Max Mosleys Allüren hat das nichts zu tun.

Ferrari mit einzigartigen Möglichkeiten

Ferrari will einfach nicht einsehen, dass die anderen Automobilhersteller nicht so ticken wie Ferrari. Maranello kann sich auch 21 Jahre ohne WM-Titel erlauben. Die Fans lieben Ferrari trotzdem. Bei allen anderen Konzernen bleibt der Motorsport eine knallharte Kosten-Nutzenrechnung.

Ferrari sollte für den Fortbestand der Formel 1 eigentlich froh sein, dass Mosley mit seinen Sparplänen die Szene wachgerüttelt hat. In Maranello wäre man von alleine nämlich nie darauf gekommen, dass der Sport nur überlebt, wenn alle dramatisch die Kosten verringern. Ferrari tut sich leicht. Auf den roten Autos kleben immer noch Sponsoren im Gesamtwert von mindestens 200 Millionen Euro. Dazu kommt noch der Sonderbonus von Bernie Ecclestone. Man mag sich beim ältesten Formel 1-Team auf die Meinung versteifen, dass der Markt den Preis bestimmt, doch dann steht Ferrari irgendwann alleine da.

Ohne ein Korrektiv beim Geldausgeben geht es nicht mehr. Dann sperren bald auch Williams, Sauber, Force India, ToroRosso und das privatisierte Renault-Team zu.

Blutauffrischung mit Schmerzen verbunden

Ferrari muss sich nicht über die neuen Bewerber lustig machen. Es war höchste Zeit, dass die Formel 1 neue Teams auswählt. Man kann darüber streiten, ob es nicht bessere Kandidaten gegeben hätte als USF1 oder Campos, doch das Feld brauchte nach dem zu erwartenden Ausstieg der Hersteller eine Blutauffrischung. Und das ist logischerweise mit Schmerzen verbunden.

Man kann von Lotus und Virgin nicht erwarten, dass sie auf Anhieb so schnell sind wie die etablierten Teams. Für sie war es schon ein Kampf, überhaupt ein Auto auf die Räder zu stellen. Und warum? Weil die Formel 1 immer noch viel zu viel Geld kostet. Die Geburtswehen der neuen Teams zeigen das Maß an Unvernunft, das in diesem Zirkus weiterhin herrscht.

Geschichte wiederholt sich

Sind wir mal ehrlich: Ferrari jammert doch nur, weil sie lieber gegen BMW, Toyota und Honda gefahren wären als gegen Lotus, Virgin oder Stefan GP. So lässt sich Technologiekompetenz besser darstellen als wenn man gegen einen Limonadenhersteller (Red Bull) oder das Spielzeug eines indischen Lebemanns (Force India) gewinnt.

Jetzt spielen sie in Italien den Rächer der Enterbten. Ferrari ist seit 60 Jahren in der Formel 1, aber offenbar hat man in diesen 60 Jahren nicht genau aufgepasst. Die Hersteller kamen und gingen. Das ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern es war immer so. Also sollte man jetzt in Maranello nicht überrascht tun, dass sich Geschichte wiederholt.

Michael Schmidt

Schmidts F1-Blog: Fünf vor zwölf für Campos und USF1

Geschrieben am Donnerstag, 11. Februar 2010 von Michael Schmidt (7 Antworten)

Die FIA hat am Mittwoch (10.2.) mitgeteilt, dass jedes Team an allen 19 Grand Prix teilnehmen muss. Andernfalls gibt es Sanktionen. Das widerspricht der Ansicht von Bernie Ecclestone, der das Concorde Abkommen dahingehend gedeutet hat, dass man bei ausreichender Begründung drei Rennen auslassen können. Das wäre eine Einladung für die Teams von USF1 und Campos gewesen, die wie erwartet Probleme haben, ihre Finanzierung und die Autos auf die Beine zu stellen.

Die FIA fährt einen harten Kurs, und das ist gut so. Es kann nicht angehen, dass man Sonderregelungen für bestimmte Teams einräumt. Wer in der Formel 1 mitfahren will, muss ein Mindestmaß an Professionalität zeigen. Wenn es VirginF1 und Lotus schaffen, vier Wochen vor dem Saisonstart neue Autos auf die Räder zu stellen, dann müssen das auch Campos und USF1 können. Und wenn nicht, dann haben sie keinen Formel 1-Platz verdient.

Sonst reißen Sitten wie in den Urzeiten des Motorsports ein. Da kamen und gingen die Teams wie sie wollten. Wenn USF1 die ersten drei Rennen pausiert, könnte VirginF1 mit dem gleichen Recht auf drei der Überseerennen am Ende des Jahres verzichten. Einfach um Geld zu sparen.

USF1 muss Karten auf den Tisch legen

auto motor und sport hat das Projekt von USF1 immer kritisch hinterfragt und musste dafür auch Kritik von dem US-Team einstecken. Jetzt können Ken Anderson und Peter Windsor beweisen, dass ihre Sprüche nicht nur Schall und Rauch sind. Vielleicht nageln sie ja in letzter Minute irgendein Gefährt auf vier Rädern zusammen, doch sind wir mal ehrlich: diese Geschichte aus Charlotte erinnert stark an Teams wie Coloni, Andrea Moda oder Life aus den achtziger Jahren. Amateure auf dem Niveau von Clubrennen. Hat uns Bernie nicht vor Jahren erzählt, dass er solche Teams nie wieder in der Formel 1 sehen will?

Da wird uns ein amerikanischer Formel 1-Traum verkauft, der angeblich solide finanziert ist, und dann fährt für acht Millionen Dollar Mitgift ein längst ausrangierter Argentinier. Da wird uns erzählt, dass man sämtliche Crashtests bereits bestanden hat, und dann gibt es noch nicht mal ein Datum für den ersten Probelauf des Autos. Da wird uns eine völlig neue, offene Art der Kommunikation versprochen, doch dann tauchen die Verantwortlichen bei Anfragen nach Interviews ab.

Ich werde aus dem USF1-Projekt nicht schlau. Wenn es ehrlich gemeint war, dann ist es dilettantisch durchgeführt. Wenn nicht, dann verstehe ich die Geschäftsidee nicht. Geld abzocken lässt sich nur, wenn man den Startplatz verkaufen könnte. Doch eines ist nach dem Brief von der FIA klar: Wer in Bahrain nicht antritt, wird seinen Platz im Feld nicht an andere verscherbeln können.

Campos-Finanzierung weit in Verzug

Beim Team von Adrian Campos liegt der Fall etwas anders. Der spanische Ex-Rennfahrer hat es ehrlich versucht. Er hat einfach das nötige Geld nicht gefunden. Das kann passieren. Die jüngsten Geschichten, dass in letzter Minute doch noch ein Investor angebissen hat, sind mit Vorsicht zu genießen. Wir kennen diese Art von Investoren. Meistens ist da irgendwas faul. Und der Aufbau des Dallara-Cosworth ist wegen Zahlungsschwierigkeiten derart in Verzug geraten, das spätestens am Wochenende grünes Licht gegeben werden muss, damit die Autos in Bahrain überhaupt am Start stehen können. An Testfahrten ist gar nicht mehr zu denken.

Campos wird wohl die Waffen strecken müssen. Und Bernie Ecclestone hat mehr als einmal klar gemacht, wen er sich als Ersatz wünscht. Der Serbe Zoran Stefanovich hat Geld, und er hat mit dem für 2010 geplanten Toyota ein Auto, mit dem man sich nicht blamiert. Er wird damit auf jeden Fall eine bessere Figur abgeben als ein in letzter Minute zusammengebauter USF1 oder ein Campos-Dallara.

Michael Schmidt

Schmidts F1-Blog: Das neue Punktesystem - Antwort auf keine Frage

Geschrieben am Dienstag, 02. Februar 2010 von Michael Schmidt (7 Antworten)

Nun ist es Wirklichkeit. Die Formel 1 bekommt ein neues Punktesystem. Die vermeintlichen Reformer haben sich durchgesetzt, und keiner der Teamchefs hatte den Mut, den Plan der FIA zu stoppen. Frank Williams wollte eine Veto einlegen, ist aber wohl eingeknickt.

Der gelegentliche Formel 1-Zuschauer wird sagen: Ist doch egal, wieviel Punkte der Sieger, der Zweite und der Dritte bekommen. Den echten Fans ist es nicht egal. Sie wollen Juan-Manuel Fangio, Jim Clark, Ayrton Senna und Michael Schumacher miteinander vergleichen. Sie haben sich an ein Punkteschema gewöhnt. Das ist ihr Koordinatensystem, mit dem sie groß geworden sind. Mehr Punkte für mehr Fahrer entwertet eine gute Platzierung. Punkte sind jetzt Dutzendware. Selbst die Teams, die Punkte bitter nötig haben, lehnen das neue Punktesystem hinter vorgehaltener Hand ab.

Das Argument, eine größere Differenz zwischen dem Sieger und dem Zweiten wäre ein größerer Anreiz zum Überholen, ist einfach dumm. Wer so etwas sagt, versteht nichts vom Motorsport. Rennfahrer wollen immer gewinnen. Und wenn sie die Chance auf ein Überholmanöver sehen, dann greifen sie zu. Das Problem liegt in der Technik. Nicht nur, dass es schwieriger geworden ist, einem anderen Auto zu folgen. Die Autos sind heute so speziell, dass sie abhängig vom Streckentyp mal auf der einen Strecke, mal auf der anderen konkurrenzfähiger sind. Die letzten fünf Weltmeisterschaften seit 2005 waren alle hart umkämpft, die Kombattanten an der Spitze ziemlich gleichwertig. Und trotzdem bekamen sie sich auf der Strecke selten zu Gesicht. Jenson Button und Sebastian Vettel kamen sich 2009 außer in der Startphase nur zwei Mal richtig nahe. In der Türkei überholte Button seinen Rivalen. Wo ist das Problem?

Das neue Format läutet eine neue Ära ein. Vielleicht war das vom neuen FIA-Präsidenten Jean Todt so gewollt. Damit hat er aber seinem Freund Michael Schumacher keinen Gefallen getan. Irgendwann einmal wird ein junger Fahrer, der lange genug dabei ist, Schumachers Bestwert überbieten, ohne vergleichsweise so erfolgreich gewesen zu sein. Vielleicht ist Schumacher deshalb zurückgekehrt. Wenn er seine drei Jahre bei Mercedes abdient, kann er seine 1.369 Punkte vielleicht verdoppeln und sich ein Polster für den Ansturm der nächsten Generationen schaffen.

Das größte Problem der Formel 1 ist, dass sie ihre dringensten Probleme nicht erkennt. Sie reapariert Dinge, die nebensächlich sind. Das neue Punktesystem ist die Antwort auf eine Frage, die nicht gestellt wurde.

Michael Schmidt

Schmidts F1-Blog: Mercedes GP - das deutsche Nationalteam

Geschrieben am Montag, 25. Januar 2010 von Michael Schmidt (3 Antworten)

Mercedes feierte sich in seinem Museum selbst. Als Kulisse diente die grandiose Motorsport-Vergangenheit, auf der Bühne stand das Vorjahresauto in neuer Lackierung. Mattes Silber, so wie in den glorreichen Tagen vor und nach dem Krieg. Dazu mit Michael Schumacher und Nico Rosberg zwei deutsche Fahrer. Da fühlte man sich an eine Zeit erinnert, als Autorennen noch eine nationale Angelegenheit waren. Saßen in den 30er Jahren mit Rudolf Carracciola und Manfred von Brauchitsch nicht auch zwei Deutsche Fahrer in den Silberpfeilen?

Mercedes-Vorstandschef Dieter Zetsche ließ sich beim Schreiben seiner Rede offenbar von der Erinnerung an alte Zeiten beeinflussen. Seine Rede las sich wie eine Kampfansage. Ungewöhnlich für den sonst eher ruhigen Ton, der in der Motorsportfraktion der Stuttgarter gepflegt wird. Hätte Zetsche nicht seine Rede von einem Teleprompter abgelesen, man hätte den Eindruck bekommen, dass ihn zunächst die Emotionen übermannten, um dann die Sätze, die er sagte, wieder mühsam einzufangen. Doch offenbar waren die Pointen und ihre Korrekturen alle so geplant.

Schumacher und Mercedes…. und Rosberg

Der ranghöchste Mercedes-Mann begann seine Hymne auf das neue Team mit dem Satz: “Es gibt nicht viele Weltstars in Deutschland, doch zwei stehen vor Ihnen. Michael Schumacher und Mercedes.” Fehlte da nicht etwas? Ach ja, das Team hat ja auch noch einen zweiten Fahrer. “Nico Rosberg”, besserte Zetsche seinen Vorstoß aus, “hat das Zeug zu einem Weltstar, er ist der Dritte im Bunde.” Schon im folgenden Satz hängte Zetsche den nächsten Kraftausdruck dran.

Mit Blick auf Rennleiter Norbert Haug, der nach Zetsches Ausführungen ein badischer Schwabe ist, fiel der Spruch, der vor allem von der Boulevardpresse dankbar angenommen wird: “Gemeinsam machen wir das deutsche Nationalteam perfekt.” Und schon ruderte der Mann mit dem gewaltigen Schnauzbart wieder zurück.

Weltauswahl mit deutschem Kern

Richtig, es gibt ja auch noch ein paar andere Eckpfeiler im Team, und die kommen nicht aus Deutschland. Ross Brawn, der Teamchef ist Engländer. Die meisten Ingenieure des neuen Mercedes GP W01 sind Engländer. Ein gehöriger Teil des Budgets kommt aus Malaysia, und ohne den Großaktionär aus Abu Dhabi wäre der Kauf des Teams nicht möglich gewesen. Zetsche kratzte die Kurve: “Es gäbe uns nicht ohne Ross Brawn, Nick Fry, Petronas und Aabar. Wir sollten deshalb besser von einer Weltauswahl sprechen.”

Die nächste Falle lauerte schon in Kapitel zwei seines Fünfpunkteplans: “Wir haben ein einfaches Ziel: Wir wollen Weltmeister werden.” Es ist ihm wohl im gleichen Augenblick der Gedanke gekommen, dass sich dafür mit Ferrari, Red Bull-Renault und McLaren-Mercedes zumindest drei auf dem Papier gleich starke Teams bewerben. Deshalb bat Zetsche um Nachsicht: “Es muss nicht beim ersten Mal klappen. Wir sind ein neues Team. Geben Sie uns ein bisschen Zeit.”

Erfahrene Mannschaft in Brackley

Neues Team? Ross Brawn ist seit 1976 im Geschäft. Die Mannschaft in Brackley arbeitet seit vier Jahren ohne große Fluktuation zusammen. Mercedes-Motoren gibt es in der Formel 1 seit 1994. Norbert Haug kennt seinen Job am Regiepult der Mercedes-Sportabteilung seit zwei Jahrzehnten. Und Michael Schumacher blickt auf 249 GP-Einsätze und sieben WM-Titel zurück. Mit allzu viel Nachsicht wird Dr. Zetsche nicht rechnen dürfen. Michael Schumacher sieht es offenbar auch so. “Wir haben alle Zutaten, um Weltmeister zu werden. Unser Anspruch kann es nur sein, den Titel holen zu wollen.”

Holger Wittich

Mini Countyman: Gepimpte Pizzeria

Geschrieben am Montag, 25. Januar 2010 von Holger Wittich (1 Antwort)

Es ist schon ein Kreuz mit dem Internet. Da hat ein US-Blogger die ersten Fotos des Mini Countryman vergangene Woche vorzeitig ins Netz gestellt und dahin war es mit der großen Presse-Kampagne zum neuen Mini-SUV. Und dank Google-Streetview kommt nun heraus, dass die Mini-Mannen die Foto-Location auch noch ihren Bedürfnissen angepasst haben. Denn der Mini Countryman steht in Valencia nicht vor einer hippen Tapas-Bar mit ordentlich Patina und Retro-Style, die “Bude“ in der Calle de Eugenia Vines, 58 ist vielmehr eine schnöde Pizzeria, die per Photoshop ordentlich gepimpt wurde.

Mini Countryman vor der Tapasbar in der Calle de Eugenia Vines, 58 in Valencia:

Die Calle de Eugenia Vines, 58 in Valencia ohne Mini Countryman und ohne Tapasbar:

Holger Wittich

Hasta la vista Ford Focus BEV

Geschrieben am Dienstag, 19. Januar 2010 von Holger Wittich (4 Antworten)

“Wer bin ich und wenn ja wieviele” , mal abgesehen davon, dass dieser Bestseller-Buchtitel grammatikalisch völlig falsch ist, trifft er doch auf Arnold Schwarzenegger, wie die Faust aufs Auge. Muskelprotzender  Testosteron-Ösi trifft auf ozonschichtbewahrenden Öko-Kalifornier. Aber, welcher Arnold der wahre Arnold ist, zeigte Arnold bei seinem Gastauftritt bei der Jay Leno-Show. Hasta la vista Ford Focus !!!!!!

 

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